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mySUMMIT: Hochtourentraining mit dem DAV Summit Club

Österreich – DAV Summit Club Hochtourentraining mit Großglocknerbesteigung
Ein Erlebnisbericht vom mySUMMIT Team

Immer wieder treibt es uns vom mySUMMIT Team in höhere alpine Regionen. Natürlich erfordern solche Hochtouren eine solide Grundausbildung, denn ohne das Beherrschen verschiedener Sicherungstechniken in Schnee und Eis, das richtige Gehen mit Steigeisen und die Handhabung des Eispickels kann eine Bergtour schnell zu einem gefährlichen Unterfangen werden. Also haben wir uns dieses Jahr an einen Ausbildungskurs in den Hohen Tauern am Großglockner beim DAV Summit Club angemeldet. Ziel war neben dem Erlernen der Ausbildungsinhalte die Besteigung des Großglockners, der mit 3.798 m höchster Berg von Österreich und mit seiner markanten Spitze einer der bedeutendsten Gipfel der Ostalpen ist – ein Berg den man einfach besteigen muss! Am 24. Juli sind wir endlich Richtung hohe Tauern unterwegs. Schon akklimatisiert an das Bergklima nach einer Woche Hüttendienst in der Hexenseehütte in Serfaus sind wir gespannt und hoch motiviert. Das Wetter war uns schon die ganze Woche nicht gnädig gewesen: der plötzliche Wintereinbruch in Österreich hatte uns mehrfach ziemlich viel Neuschnee beschert. Wir hoffen inständig auf Besserung, doch schon bei Abfahrt heißt es im Radio, dass auf der Glocknerstraße Schneekettenpflicht herrsche! Wie sollen wir mit unseren Sommerreifen denn überhaupt zum Glocknerhaus durchkommen? Zum Glück ist die Hochalpenstraße nachmittags geräumt, so dass wir ohne Probleme an unserem Ziel ankommen. Vom Großglockner war jedoch keine Spur: im dichten weißen Nebel ist an ein Bergpanorama nicht zu
denken. 😦

Auf dem Glocknerhaus werden wir herzlich von unserem Bergführer vom DAV Summit Club empfangen. Wir beziehen die komfortablen Zimmer und genießen bei sehr gutem Essen einen gemütlichen Hüttenabend, wo wir auch die anderen sechs Kursteilnehmer kennenlernen.

Tag 1: Trittsicherheitsschulung

Der erste Blick aus dem Fenster: Über Nacht hat es weiter ordentlich geschneit, der Blick auf den Großglockner ist aber zum ersten Mal frei!!! Der interessiert uns jedoch heute weniger…. vielmehr steht Trittschulung auf dem Programm. Nach einem entspannten Frühstück geht es los Richtung Spielmann, 3.027m – einer der schönsten Aussichtsberge der östlichen Glocknergruppe. Schön hintereinander stapfen wir dem Bergführer nach durch den kniehohen Schnee. Nebelschwaden verbergen fast durchgehend den Blick auf die umgebende Landschaft. Durch den kräftigen Wind sind starke Verwehungen aufgetreten, teilweise sinken wir sogar bis über beide Oberschenkel im Schnee ein. Ziemlich anstrengend! Mittags reißt dann aber bei unserer kleinen Rast auch mal der Himmel auf und gibt uns den Blick frei auf die umliegenden Berge. Unser Ziel, der Spielmann scheint gar nicht mehr so weit entfernt! Von der Sonne ein wenig verwöhnt und hochmotiviert geht es weiter. Das Gelände wird steiler und das Wetter wieder schlechter. Auf dem Grad zum Gipfel beginnt es wieder zu schneien und der Weg wird durch den tiefen Schnee nicht einfacher. Trotzdem wollen alle weiter… der Gipfel scheint so nah. Kurz vorm Ziel ist dann doch Schluss – durch den vielen Neuschnee an der steilen Wand ist die Lawinengefahr zu hoch, so dass wir ca. 30m unterhalb des Gipfels den Aufstieg beenden müssen. „Sicherheit geht vor“ sagt der Bergführer!! Etwas enttäuscht geht es also für die ganze durchgefrorene Gruppe zurück Richtung Glocknerhaus. Auf den Weg haben wir noch ein zweiten Ausbildungsinhalt zu lernen: „Was tut man, wenn man im steilen Gelände ausrutscht, wie stoppt man im Schnee?“ Wir lernen die Technikgrundlagen und bei unseren Rutschübungen im steilen Firn steigt die Stimmung wieder. Wenn man sich einmal getraut hat, den Schneehang herunter zu werfen, macht es richtig Spaß! Wir üben solange, bis wir zumindest ein bisschen die Technik automatisiert haben! Am Ende kehren wir alle zufrieden nach diesem Ereignis- und lehrreichen Tag zum Glocknerhaus zurück.

Tag 2: Eisausbildung auf der Pasterze

Sicheres Gehen mit Steigeisen und Pickel sind Grundvoraussetzung für die Glocknerbesteigung! Also geht es heute hinaus zur Pasterze, wo wir den ganzen Tag mit verschiedenen Übungen verbringen. Die Sonne scheint, das Bergpanorama ist umwerfend. Der Glockner zeigt sich von seiner schönsten Seite! Sehnsüchtig blicken wir immer wieder Richtung Gipfel – man sieht sogar die Adlersruh, auf 3.400m gelegene Hütte kurz vor dem Gipfel.

Das Gelände der Pasterze bietet perfekte Bedingungen für das Training im Eis. Also nichts wie an mit der kompletten Ausrüstung, die vom DAV Summit Club gestellt wird, und los gehts: Eine Weile queren wir noch die raue Eisfläche, wobei wir uns weiter mit der Tritttechnik mit Steigeisen vertraut machen. Wir üben das Überqueren von Eisstufen und lernen potentielle Gefahren zu erkennen und zu meiden. Vorwärts und rückwärts geht es mit den Steigeisen in unterschiedlichen Steigungsgraden in Vertikal- und Frontzackentechnik, mit und ohne Pickeleinsatz. Der Bergführer zeigt uns das Stufenschlagen in steileren Hängen und auch das das Eisklettern mit Eisgerät können wir trainieren – was unheimlich viel Spass macht!!! Am Ende des Tages fühlen wir uns alle ziemlich sicher im Umgang mit Pickel und Steigeisen und fühlen uns für die Hochtour gewappnet. Abends dann wieder der Blick auf den Wetterbericht…. wird eine Glocknerbesteigung diese Woche überhaupt möglich sein? Für den nächsten Tag ist noch gutes Wetter gemeldet – ab Donnerstag ist nur noch Regen und Schnee angesagt. Ein Gipfelsturm wie geplant am Freitag scheint also völlig utopisch!!! Wir werfen kurzerhand gemeinsam mit dem Bergführer den ursprünglichen Plan über den Haufen und entscheiden uns, den Aufstieg einen Tag vorzuverlegen. Morgen soll es also bereits hinauf gehen zur Adlersruh! Ein bisschen steigt die Nervosität und wir planen noch ein wenig die Tour bis wir zeitig zu Bett gehen. Morgen wird ein langer Tag.

Tag 3: Hochtour und Gipfelsturm

Um 6 Uhr klingelt der Wecker – der Tourenrucksack ist schon gepackt – ein schnelles Frühstück und dann gehts los: um 7 Uhr ist Abmarsch. Die Sonne scheint und wir starten die Tour mit einem tollen Blick auf das Bergpanorama und unser Ziel: die Adlersruh und der Großglockner!!!

Nach dem Abstieg zum Margaritzenspeicher und Überschreitung der beiden Staumauern wandern wir zunächst über Almwiesen bequem aufwärts, dann aber schraubt sich der Weg immer steiler werdend hinauf zur Stockerscharte. Hier gibt es bereits einen schönen Rundblick in Richtung Pasterze mit dem Johannisberg und andere Berge der Hohen Tauern. Nach einer kurzen Trinkpause folgen wir dann entspannt dem Wiener Höhenweg zur Salmhütte. Dies ist die älteste hochalpine Hütte der Ostalpen, die 1799 zum Zwecke der Großglockner-Erstbesteigung auf 2.644m erbaut wurde. Hier kehren wir ein und genießen den Blick auf den Großglockner, der sich allerdings schon langsam in Wolken hüllt. Das Wetter wird schlechter, also sehen wir zu, dass wir weiterkommen. Der Steig geht unterhalb des Schwerteckes vorbei bis zum stark zurückgegangenen Hohenwartkees. Wir legen wieder die komplette Ausrüstung an und gehen in Seilschaft zu den Felsen wo ein Klettersteig direkt auf die Hohenwartscharte führt. Über den oberen Rand des Äußeren Hofmannkeeses geht es dann über den felsigen Salmkamp zur Adlersruh. Insgesamt eine schöne abwechslungsreiche Tour! Jetzt sind wir auf 3.400m – das Wetter war uns bisher hold – und wir sind schon ein bisschen stolz, so gut dort angekommen zu sein! So hoch gewandert ist fast die ganze Gruppe in Ihrem Leben noch nicht – ein tolles Gefühl – wobei die Luft schon knapp wird 😉

 Eigentlich rechnet keiner von uns damit, dass wir den Gipfelsturm heute noch in Angriff nehmen würden… doch es kommt anders: “Wer hat noch Kraft? Wir gehen rauf!!!! Drei von euch können mit!” ruft der Bergführer ins Lager – auf dem wir es uns gerade gemütlich gemacht haben. „Ich denke mir – die Chance kann ich mir nicht entgehen lassen“ also schraubt sich mein Finger flink in die Luft. Jawohl – zwei Mitstreiter, ich von mySUMMIT und der Bergführer gehen heute noch auf den Glockner. Also wieder Steigeisen und Gurte an, winterfeste Kleidung und los ging es:

Hinter der Hütte vorbei steigen wir am Seil einen breiten, allmählich ansteigenden Schneerücken hinauf. Danach führt der Weg über das „Leitl“, einen etwa 40° steilen Hang, der zum „Sattele“ hinaufführt. Es ziehen wieder Wolken auf und die Sicht wird schlechter. Hochmotiviert und dem Gipfel so nah geht es aber weiter: Vom Bergführer gesichert klettern wir über

die plattige Kleinglockner-Felsflanke hinauf zur Gipfelschneide. Es beginnt zu schneien, was das Klettern im I. und II. Schwierigkeitsgrad nicht einfacher macht – über die schmale Wächte geht es dann auf den 3.783 m hohen Kleinglockner. Die Überkletterung des Kleinglockners und der Abstieg zur Scharte sind für michwirklich anspruchsvoll. Dann nur noch die Überquerung der schmalen Scharte, die durch ein ca. 15 Meter langes Stahlseil gut abgesichert ist – und dann sind wir oben! Wir haben es tatsächlich geschafft. Auch wenn wir durch das schlechte Wetter keine Sicht haben und den weit gepriesenen Panoramablick nicht genießen können, ist es ein tolles Gefühl am höchsten Punkt von Österreich zu stehen

-DREITAUSENDSIEBENHUNDERTACHTUNDNEUNZIG – unglaublich, aus eigener Kraft bei diesen Wetterbedingungen – ein grandioses Gefühl!

Das Wetter wird jedoch immer schlechter und wir müssen zusehen, dass wir wieder hinunterkommen. Der Abstieg ist beschwerlich und erfordert auf den nassen Felsen mit immer mehr Schnee die höchste Konzentration. Wohlbehalten kommen wir schließlich durch auch die gute Führung und Sicherung unseres Bergführers nach ca. 2 Stunden wieder in der Adlersruh an. Müde, erschöpft, aber glücklich lassen wir den Tag bei der vorzüglichen Gulaschsuppe und einem Glas Bier ausklingen!

Tag 4: Abstieg von der Adlersruh zum Glocknerhaus

Ich schaue aus dem Fenster und denke „ Ja ist den heut schon Weihnachten???“ – fast ein halber Meter Neuschnee – alles weiss! Schnee überall… mit dem Wetter haben wir wirklich kein Glück. Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg zurück. Diesmal gehen wir über den Ködnitzkees Richtung Luckner Haus und dann auf dem Wiener Höhenweg zur Salmhütte. Nach dem vielen Schnee tut es gut, wieder felsigen Boden unter den Füßen zu haben. Anstrengend wird auf diesem Weg die Überschreitung der steilen Pfortscharte auf 2.800m, bei der knapp 300 Höhenmeter in einer halben Stunde überwunden werden. Erholung finden wir wieder in der Salmhütte, von der wir den selben Weg den wir gestern gekommen sind bis zum Glocknerhaus zurückkehren. Ein langer Tag mit insgesamt viel zu vielen Höhenmetern.

Tag 5: Gletscherausbildung Oberwalderhütte und Eiswandbichl

Auf den Wetterbericht kann man sich verlassen: das Wetter ist schlecht!!! Regen ohne Unterlass – aber wir sind schließlich nicht in den Bergen auf Ausbildungswoche um die Zeit auf der Hütte zu verbringen. Also rein in die wetterfeste Kleidung und es geht raus Richtung Pasterze. Eigentlich steht noch die Besteigung des mittleren Bärenkopfes auf dem Programm, was aber aufgrund der Wetterlage und nach den Erfahrungen der letzten Tage utopisch erscheint. Wir gehen aber erstmal los über den Gamsgrubenweg zum Wasserwinkelkees. Nach dem uns der Bergführer alle angeseilt hat, gehen wir über den Gletscher in recht tiefem Schnee hinauf zur Oberwalderhütte (2.973m). Wir sind ganz erstaunt als sie plötzlich vor uns auftaucht, als sich der Nebel einmal etwas lichtet. Obwohl es verdammt kalt und windig ist, entscheiden wir uns gegen eine Einkehr und setzen den Weg Richtung Eiswandbichl fort. Wir gehen langsam und vorsichtig, da die Sicht nur ein paar Meter beträgt. Dass wir oben auf dem Eiswandbichl angekommen sind zeigt nur der Höhenmesser: 3.200m. Der Weiterweg zum mittleren Bärenkopf hat bei diesen Wetterbedingungen keinen Sinn und wir machen uns auf den Rückweg zur Oberwalderhütte. Dort können wir uns stärken und endlich aufwärmen…

Nach einiger Zeit lichtet sich der Himmel und die Sonne kommt zum Vorschein. Am Ende unserer professionellen, sehr gut durchgeführten Hochtourenausbildung des DAV Summit Club sehen wir sogar die Sonne wieder, die den Blick frei gibt auf das wunderschöne Hohe Tauern Panorama. Wir sehen den Gipfel des Großglockners im Sonnenschein – ein beeindruckendes Bild! Genau das Zeichen um uns von mySUMMIT zu motivieren: wir möchten wiederkommen und die Großglocknerbesteigung – das Gipfelerlebnis bei schönem Wetter und guter Sicht erleben!!!

Bis bald Hohe Tauern, bis bald Großglockner… wir sehen uns wieder…

Text & Bilder: GBH


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