Archiv der Kategorie: 2011 Ecuador

mySUMMIT: Reisebericht Chimborazo Expedition

Ecua­dor – Expe­di­tion auf dem 6.310 Meter hohen Chimborazo

Wir quä­len uns auf 5.100 Metern im engen Zelt in die Expe­di­tion­aus­rüs­tung – Socken – Atem­pause, lange Unter­hose – Atem­pause – jede kleine Bewe­gung in die­ser Höhe ist sehr anstren­gend und bringt mich aus der Puste. Jetzt nur noch die Expe­di­ti­ons­tie­fel anzie­hen und dann hin­über ins Team­zelt. Die Tem­pe­ra­tu­ren lie­gen bei schät­zungs­weise –10 bis –15 Grad. Schon jetzt sind wir höher als alle Berge in den Alpen…… 

Den Erleb­nis­be­richt der Ecua­dor – Expedition könnt Ihr nun vollständig im Bergzeit Blog lesen. Ich freue mich auf eurer Feedback und die Bewertung des Artikels  mit dem „Gefällt mir“ Klick.

Euer Volker Reinsch

Advertisements

mySUMMIT: Chimborazo Expedition mit dem DAV Summit Club

Ecuador – DAV Summit Club Expedition auf dem 6.310 Meter hohen Chimborazo
Ein Erlebnisbericht aus Ecuador von Volker Reinsch vom mySUMMIT Bergsport Team

06. Februar 2011 (21:30 Uhr): Wir quälen uns auf 5.100 Metern im engen Zelt in die Expeditionausrüstung – Socken – Atempause, lange Unterhose – Atempause – jede kleine Bewegung in dieser Höhe ist sehr anstrengend und bringt mich aus der Puste. Jetzt nur noch die Expeditionstiefel anziehen und dann hinüber ins Teamzelt. Die Temperaturen liegen bei schätzungsweise –10 bis -15 Grad. Schon jetzt sind wir höher als alle Berge in den Alpen. Im Teamzelt warten schon weitere Bergsteiger – es gibt heißen Tee und Kekse. Nachdem alle aus der Gruppe im Teamzelt eingetroffen sind, beraten wir über das weitere Vorgehen. Eine Diskussion kommt nicht auf, jedem ist bewusst, dass bei diesem, seit fünf Stunden anhaltenden Schneefall, der Aufstieg zum Gipfel zu gefährlich ist. Mit jeder Stunde steigt die Lawinengefahr und bis zum Gipfel müssen wir gute 1.200 Höhenmeter zurücklegen. Die Entscheidung ist gefallen – Abbruch jetzt sofort! Die Nacht verbringen wir noch im Hochlager und am Morgen folgen Hochlagerabbau und Abstieg ins Basecamp…..
Enttäuschung, leere, Traurigkeit….

Rückblick; Ankunft im Marco Cruz Basecamp: Am Nachmittag des 01. Februar 2011 erreichen wir nach langem Fußmarsch das Basecamp von Marco Cruz. Wir haben das Ziel unserer Reise erreicht, das Basecamp vom Chimborazo. 3.900 Meter zeigt der Höhenmesser und wir stehen mitten auf einer grünen Almwiese… Das kennen wir aus den Alpen nicht auf der Höhe. Direkt unter den Flanken des Chimborazos stehen die Komfort-Lodges von Marco Cruz – die Lodge ist einfach, aber geschmackvoll eingerichtet. Es gibt großzügige Doppelzimmer, Bad und warme Dusche sind auf dem Flur. Im Haupthaus steht ein großer offener Kamin, hier werden wir uns an den Abenden aufwärmen und einen leckeren Tee genießen. Die Mahlzeiten werden auch im Haupthaus eingenommen, das Team von Marco verwöhnt uns die nächsten sechs Tage mit sehr leckerem Essen. Das Akklimatisationskonzept vom DAV Summit Club sieht vor, dass wir die nächsten Tagen nutzen, um uns an die dünne Luft in dieser Höhe zu gewöhnen, schließlich wollen wir in sechs Tagen auf dem Gipfel des Chimborazos stehen – immerhin auf 6.310 Metern. Die erste Akklimatisationstour geht über den legendären Inka-Königsweg, insgesant 35 Kilometer liegen vor uns. Direkt vom Basecamp gehen wir los – die Bergführer schätzen, dass wir circa neun Stunden unterwegs sein werden. Gegen starken Gegenwind müssen wir zu Beginn ankämpfen und der Wind wirbelt feinen Sand und Dreck auf – in kürzester Zeit ist unsere Ausrüstung mit diesem feinem Sand bedeckt – in jeder Ritze sollten ihn wir noch Tage später finden. Faszinieren hier in Ecuador sind die schellen Wechsel der Natur, kurz nach einer Steppe/Wüstenlandschaft erreichen wir fruchtbares Land und grüne Wiesen und Bäume ringsherum. Gegen Mittag erreichen wir den Urwald, durch den wir uns mit Macheten den Weg frei schlagen müssen – ein echtes Abenteuer. Obwohl wir fast neun Stunden gewandert sind, habe ich abends in der Lodge keinen Hunger – Appetitlosigkeit, ein Zustand, den ich bestens aus dem Himalaya kenne – irgendwie zwinge ich mich, das Abendessen doch zu schlucken.

Chimborazo Nationalpark, 03. Februar 2011: Nach einem ausgiebigen Frühstück und besten Wetterverhältnissen fahren wir heute in den Chimborazo-Nationalpark bis auf 4.800 Meter. Vom Refugio Carrel steigen wir über Geröll- und Schneefelder hinauf zur Agujas de Chamonix auf 5.347 Meter. Dort oben haben wir eine fantastische Aussicht über den Nationalpark und auf die geplante Aufstiegsroute zum Summit– beeindruckend. Das wird ein hartes Stück Arbeit, sehr steil ragt der Gletscher uns entgegen. Wir bekommen das erste Mal einen Eindruck vermittelt was es heißt, eine 60-Grad-Flanke zu besteigen. Bei einer ausgiebigen Pause essen wir unser Lunchpaket. Niemand aus der Gruppe hat irgendwelche Anpassungsprobleme an die Höhe – ein gutes Zeichen. Für den Abstieg wählten die Bergführer eine schnelle Variante – auf das Schneefeld und herunterrutschen. Mir erscheint es zu gefährlich, daher steige ich mit zwei Bergsteigern langsam ab. Der Abstieg durch den tiefen, nassen Schnee ist sehr anstrengend. In einer steilen Schneise ist der in der Mitte liegende Schnee vereist, sodass wir am Rand entlang gehen. Hinter mir rutscht Michael aus und haarschaf an mir vorbei… Nach 20 Metern kann er sich wieder fangen. Zum Glück ist keinem etwas passiert – eine unfreiwillige „Schlittenfahrt“…, aber er ist wenigstens unten. Nach gut sechsstündiger Akklimatisationswanderung erreichten wir das Refugio Whymper (5.043 Meter) – die letzten Höhenmeter zum Refugio Carrel waren ein Kinderspiel. Von hier geht es zurück mit dem Bus ins Basecamp. Am Abend erfahren wir, das aufgrund der schlechten Wetterfront, die auf uns zukommt, der geplante Ruhetag ausfällt. MIST – wir hätten den Tag wirklich gebraucht, jeden Tag sechs bis neun Stunden Wanderungen hier auf der Höhe kosten Kraft.

Aufstieg zur Catedral (5.171 Meter), 04. Februar 2011: Aufstehen – komm du musst aufstehen. mein Zimmernachtbar weckt mich. Nach einem Blick auf die Uhr (6:16 Uhr) weiß ich – viel zu früh! Die Akklimatisationstouren der letzten Tage stecken in den Knochen – heute geht es nochmal auf ca. 5.200 Meter hoch und am 05. Februar ist dann endlich Ruhetag. Den haben wir uns dann auch wirklich verdient. Den Aufstieg auf den Chimborazo beginnen wir heute direkt vom Basecamp. Ein kleiner steiler Wanderweg führt hinauf auf 4.200 Meter zum Gipfelkreuz vom Cruz del Cerro Chalata. Ab kämpfen wir wieder mit dem Wind. Die nächsten Stunden wandern wir mit Gegenwind durch die ecuadorianische Pampa immer leicht Bergauf. Der Wind bläst und wirbelt wieder viel Staub auf – er nimmt uns die Luft zum Atmen.

Leicht ansteigend geht das so drei Stunden lang – immer aufwärts zur Catedral, die wir über unseren Köpfen auf 5.171 Metern thronen sehen. Die Catedral zu erreichen war heute das Ziel – Höhenmeter machen für die Akklimatisation. Ich verfluche den Tag, da es bei Wind und aufkommenden Nebel nicht schön ist zu laufen. Jedoch ist diese Wanderung zwingend erforderlich, um bestens für die dünne Luft auf dem Gipfel gewappnet zu sein. Als wir die Catedral endlich erreicht haben, machten wir uns nach kurzer Pause wieder zurück an den Abstieg. Da wir die Geröllfelder abrutschen konnten, ging das etwas schneller als der Aufstieg. Nach circa 1.000 Höhenmetern taucht aus dem Nichts mitten im Geröllfeld eine Wüstenlandschaft auf. Wieder typisch für Ecuador, plötzlich verändert sich die Vegetation innerhalb von Sekunden. Wir staunen nicht schlecht, als wir diese Landschaft durchqueren, und gelangen an eine Oase mit viel grünem Grass. Diese Naturschauspiele lassen mich schnell die Anstrengungen des Tages vergessen – einfach wunderschön. Einem Wiesenpfad folgend wir hinab zum Basecamp von Marco Cruz auf 3.900 Metern, welches wir nach acht Stunden Tagesmarsch erreichen.
Am späten Nachmittag bekommen wir von Diego (unser englischsprachiger Bergführer) eine kleine Ausbildung im Umgang mit Steigklemme und Prosik-Knoten. Bei der „Trockenübung“ auf 3.900 Metern war diese Einheit für uns alle kein Problem, wie wird es auf 6.000 Metern im Fixseil klappen? Eine besonders wichtige Ausbildungseinheit, die jeder mehrfach unter der Aufsicht von Diego durchlaufen musste. Die Einheit war wichtig und alle Teilnehmer der Expedition waren sich einig, gut mit dem DAV Summit Club unterwegs zu sein, der auf Sicherheit und gut ausgebildete Bergführer besonderen Wert legt.
Am Abend vor dem Ruhetag steigt die Nervosität im Basecamp. Wir sind alle gespannt, ob wir den Gipfel erreichen. Den nötigen Respekt haben alle Teilnehmer vor der Route, durch das sehr gute Akklimatisationsprogramm sollten wir mit der Höhe keine Probleme bekommen. Aber reicht die Kondition? Welche Wetterbedingungen werden uns erwarten? Lässt der Berg es überhaupt zu, dass wir den Gipfel erreichen?

Endlich der verdiente Ruhetag, 05. Februar 2011: Was für eine entspannte Nacht. Tief und fest schlummerten wir im Basecamp. Die ganze Nacht haben wir durchgeschlafen und niemand hat uns früh am Morgen geweckt. Einen kleinen Schreck gab es trotzdem, im Badezimmer musste ich feststellen, dass ich mir meine Nase schwer verbrannt habe. Natürlich hatte ich die Nase immer eingefettet, die war ganz weiß – wohl aber mit dem falschen Mittel. Dadurch habe ich eine Cortisonbehandlung vom Expeditionsarzt erhalten.

Nach einem leckeren Frühstück mit Rührei und frischen Saft fahren wir gegen 9 Uhr nach Riobamba. Hier besuchen wir entspannt die örtlichen Märkte, erst einen Handwerksmarkt, wo wir Taschen und Decken aus Alpakawolle kaufen, und danach einen Markt, auf dem Gemüse, Obst, Fisch und Fleisch gehandelt worden. Nach einer kleinen Stadtführung durch unseren Guide nehmen wir noch ein leckeres Mittagessen ein und fahren dann zurück ins Basecamp. Die Stadt Riobamba muss man in seinem Leben nicht unbedingt gesehen haben, aber es ist eine schöne Abwechslung zum Basecampalltag. Am Nachmittag besprechen wir mit Diego die Aufstiegsroute, benötigte Ausrüstung und so weiter. Es gibt genaue Anweisungen, welche Kleidung für den Gipfelsturm benötigt wird. Da die Temperaturen auf -20 Grad fallen können, benötigen wir an den Beinen drei Schichten (lange Unterhose, Basepants, Goretex Hose) und am Oberkörper vier Schichten (langes Unterhemd, Pulli, Windbreaker, Daunenjacke oder Hardshell). Auch an den Händen sollen wir drei Schichten mitnehmen, ich belasse es bei zwei Handschuhen. Der Aufstieg ins Hochlager ist für 9 Uhr geplant, für die Strecke benötigen wir circa 6 Stunden, das heißt am Nachmittag treffen wir auf 5.100 Metern im Hochlager ein und gegen 23 Uhr beginnt dann endlich der Gipfelsturm – hinauf auf dem Chimborazo auf 6.310 Meter! Nach dem Briefing vertreiben wir uns irgendwie die Zeit. Tagebuchschreiben, Musik hören, lesen… wann gibt es endlich Abendbrot? Jeder geht mit der Nervosität anders um, ich analysiere auf dem iPAD mit meinem Zimmernachtbarn die Aufstiegsroute. Gegen 16 Uhr zieht ein Gewitter auf, kein gutes Omen für unseren morgigen Aufstieg ins Hochlager. Das Wetter könnte besser sein…

Es geht los – Aufstieg ins Hochlager: Wir lassen es gemütlich angehen. Die nächsten 30 Stunden werden sehr anstrengend werden. Ins Hochlager müssen wir unseren 10 kg schweren Rucksack selber tragen, die komplette warme Wäsche, 2,5 l Wasser, Helm, Pickel alles gut verstaut.

Der Aufstieg ins Hochlager verläuft ohne Probleme. Die Strecke sind wir bereits vor einigen Tagen, beim Abstieg von der Catredral gewandert. Das größte Hindernis auf dem Weg war ein Stacheldrahtzaun. Nach zwei Stunden Wanderung wechselte das Landschaftsbild in den typischen Chimborazo-Stil. Der aktive Vulkan zeigt sein wahres Gesicht, es geht durch Geröllfelder immer steiler bergauf. Leider beginnt es zu regnen, nach kurzer Zeit wechselte der Regen in Hagel und wenig später in Schnee, was insofern problematisch ist, da meine Handschuhe bereits im Hochlager waren. Abwechselnd steckte ich einmal die rechte, einmal die linke Hand zum Aufwärmen in die Hosentasche. Das Schneetreiben wird immer dichter – aber niemand von uns denkt an die möglichen Konsequenzen.
Schon nach fünf Stunden haben wir die 1.200 Höhenmeter bewältigt und kommen im Hochlager nass, aber glücklich an. Allen geht es prima, keine Kopfschmerzen oder sonstige Blessuren. Im Teamzelt ruhen wir uns erst mal aus und essen Lunchpaket. Natürlich gibt es einen heißen Tee, den wir leicht durchgefrorenen Bergsteiger nötig haben. Nach dieser Pause schickt uns Diego in die Zelte. Die Expeditionszelte sind für zwei Personen wirklich groß, die Qualität der Zelte ist sehr gut. Sie haben zwar ein paar Jahre auf dem Buckel, sind jedoch sehr gepflegt. Dankbar, dass die Zelte bereits aufgebaut waren, packen wir dort unsere Isomatten und Schlafsäcke aus. Mir ist kalt, daher krieche ich sofort in den warmen Schlafsack. Das Schneien hat immer noch nicht aufgehört, sodass uns erste Zweifel an der Gipfelbesteigung kommen. Werden wir die Chance bekommen, den Gipfel zu erklimmen? Nach kurzer Zeit sind die Zelte eingerichtet und Frank und ich liegen in den Schlafsäcken. Wie bekommen wir nun von 14 bis 17 Uhr die Zeit herum? Zum Glück muss mein Zeltpartner auf die Toilette, so muss ich das Zelt nicht vom Schnee befreien. Alle zwei Stunden kann man eine 5-cm-Schicht vom Zelt schütteln. Ein kleiner Schneewall entstand um das Zelt. So liegen wir nun im Zelt herum, hören Musik und hoffen, dass der Schneefall endlich aufhört.

Dann ist es endlich 17 h, es gibt Abendessen. Eine Nudelsuppe und Pasta mit Hühnchen. Ein großes Kompliment an das Team – so lecker hier oben zu kochen – klasse! Und dann fällt der wichtigste Satz des Tages: „We will try it! When the snowfall stopp and its clearly we go at 23 h!”

Jawohl – damit habe ich gar nicht mehr gerechnet. Wenn wir gute Wetterverhältnisse haben, werden wir aufsteigen. In nur vier Stunden soll es wirklich losgehen. Im Zelt wird eifrig gepackt. Die Expeditionsausrüstung zurechtlegen, drei Schichten an den Beinen, vier Schichten am Oberkörper. Karabiner checken, Seilklemme, Eispickel….. Gegen 19 Uhr versuchten wi, etwas zu ruhen. Mein Zeltpartner ist relativ schnell eingeschlafen, sein Schnarchen ist so laut, dass ich Oropax brauchte. Ich habe größere Probleme, rolle mich hin und her und hoffe, dass die Zeit vergeht. Abwechslung gibt es nur, wenn ich aufstehen muss, um das Zelt von Schnee zu befreien. Gegen 20:30 Uhr hörte es endlich auf zu schneien. Die Hoffnung auf dem Gipfelsturm steigt…

06. Februar 2011, 21:30 Uhr: Wir quälen uns auf 5.100 Metern im engen Zelt in die Expeditionausrüstung – Socken – Atempause, lange Unterhose – Atempause – jede kleine Bewegung in dieser Höhe ist sehr anstrengend und bringt mich aus der Puste. Jetzt nur doch die Expeditionstiefel anziehen und dann hinüber ins Teamzelt. Die Temperaturen liegen bei schätzungsweise –10 bis -15 Grad. Schon jetzt sind wir höher als alle Berge in den Alpen. Im Teamzelt warten schon weitere Bergsteiger – es gibt heißen Tee und Kekse. Nachdem alle aus der Gruppe im Teamzelt eingetroffen sind, beraten wir über das weitere Vorgehen. Eine Diskussion kommt nicht auf, jedem ist bewusst, dass bei diesem, seit fünf Stunden anhaltenden Schneefall, der Aufstieg zum Gipfel zu gefährlich ist. Mit jeder Stunde steigt die Lawinengefahr und bis zum Gipfel müssen wir gute 1.200 Höhenmeter zurücklegen. Die Entscheidung ist gefallen – Abbruch jetzt sofort! Die Nacht verbringen wir noch im Hochlager und am Morgen folgen Hochlagerabbau und Abstieg ins Basecamp…..
Enttäuschung, leere, Traurigkeit….

Heute, einige Wochen nach der Heimkehr, sitze iich hier in Köln – fern von den Bergen, die Emotionen, Augenblicke und Eindrücke der Wochen in Ecuador im Herzen. Ich lasse die Gedanken in der Erinnerung an ier letzten Wochen umherschweifen und freue mich über die Augenblicke, die ich in Ecuador genießen durfte. In einer Zeitschrift lese ich ein Zitat von Alexander Huber: „Es ist eine Niederlage, vom Berg zurückzukommen, ohne den Gipfel erreicht zu haben. Das aber ist die Chance, zurückzukehren.“

Ja, es war eine Niederlage, aber ich begreife, das ich diese Chance wahrnehmen werde – es gibt jetzt einen weißen Fleck auf meiner Landkarte. Bis bald Ecuador, bis bald Chimborazo… wir sehen uns wieder… Text & Bilder: Volker Reinsch, mySUMMIT Bergsport Team

mySUMMIT: Zurück in Köln

im Hochlager auf 5.100 Meter!

Hallo zusammen,
vor zwei Tagen bin ich aus Ecuador zurück gekommen. Die anstrengenden zwei Wochen sowie die Enttäuschung im Hochlager einzuschneien und nicht zum Gipfel aufsteigen zu können sitzen noch in den Knochen.
Umsomehr bin ich überwältigt von den vielen guten Worten und Gedanken, anteilnehmenden Zeilen und Unterstützung die ich via Post und mail erhalten habe. DANKE!!!

Wie geht’s jetzt weiter?
Nach Eingang aller Spenden für den Verein Pänz vun Kölle werde ich das Geld an den Verein übergeben. Im Anschluss daran wird es wahrscheinlich auch einen Pressetermin mit offizieller Scheckübergabe etc. geben. In den nächsten Wochen verfasse ich einen Erlebnisbericht. Der komplette Bericht wird nach Fertigstellung auf der Projektwebseite http://www.mysummit-spendenprojekt.de zu finden sein. Parallel dazu läuft im Moment das Zusammentragen der Fotos aller Teilnehmer.

Ich möchte mich bei allen Menschen bedanken, die das mySUMMIT Spendenprojekt unterstützt haben.

mySUMMIT: Bis bald Ecuador

Bereits während der Tour hatte ich mir überlegt mit den Höhenbergsteigen aufzuhören, niemals höher als die 6310 des Chimbos.. Und nun?

Ich möchte jetzt nur nach Hause fliegen, meine Freundin in den Arm nehmen und Ihr danken. Danken für Ihre Unterstützung in den letzten Wochen und Monaten in denen sich alles um das Chimborazo Projekt drehte. Die vielen Stunden der sportlichen Vorbereitung, die Zeit bei den Verkaufsständen beim DAV zugunsten der Pänz vun Kölle am Wochenende und immer wieder die stundenlangen Gespräche über den Chimborazo. Wir mussten auf viele gemeinsame Stunden verzichten. Danke!

Ich freue mich jetzt auf Köln, meine Freunde und meine Familie… und den FC 🙂
Nach diesen körperlich und psychisch anstrengenden Wochen freue mich mich wieder einfach zu Hause zu sein!

Und ich weiß genau das ich die 6000 noch machen werde – es gibt jetzt einen schwarzen Fleck auf meiner Landkarte….

bis bald Ecuador, bis bald Chimborazo… wir sehen uns wieder….

Meine 28 stündige Heimreise beginnt morgen – Ankunft Köln Freitag 11 Uhr

DER CHIMBORAZO ZU BEGINN DER EXPEDITION UND NACH DEM SCHNEEFALL!
Die Besteigung wird ca. 1 Woche nicht möglich sein…..

mySUMMIT: Zertrümmerte Träume

Dann war es endlich 22 h, eine gute halbe Std brauchten wir um uns anzuziehen. Socken – Atempause, lange Unterhose Atempause – jede kleine Bewegung in dieser Höhe ist sehr anstrengend und bringt einen aus der Puste. Leider begann es wieder zu schneien, und uns war sofort klar was das bedeutet. Im Teamzelt gab es heissen Tee und Kekse – dort wurde über das weitere Vorgehen beraten. Es gab keine Diskussion – der Aufstieg bei weiterem Schneefall war zu gefährlich, die Lawinengefahr stieg mit jeder Stunde und wir hatten ja gute 1200 Höhenmeter vor uns rauf wie runter. Eine Strecke von ca 10 Std. Die Entscheidung war gefällt – Abbruch jetzt sofort! Die Nacht wollen wir im Hochlager verbringen und am morgen absteigen.

Natürlich war das die einzig richtige Entscheidung – keiner wollte seine Gesundheit für den Gipfel riskieren. Daher dauerte es keine 5 min und das war’s – jedem war bewußt eine zweite Chance bekommen wir nicht! Soviel zur Vernunft aber mental war es für alle schwer. Die ganze wochenlange Vorbereitung, die harten Tage hier am Berg, Hitze, Kälte, die mehrstündigen Akklimatisationstouren – alles mit einmal nutzlos.

Ich ging sofort zurück ins Zelt, quälte mich aus den tausend Schichten und war emotional am Boden – ein zertrümmerter Traum…. Warum bekommen wir nicht diese Chance den Gipfel zu versuchen? Die große Enttäuschung setzte ein.. ein großes schwarzes Loch.

Die ganze Nacht schneite es weiter – die Entscheidung war 100% die Richtige doch was nutz es. Ich bin traurig und emotional am Tiefpunkt. Ich bin nicht auf Expedition in Ecuador um den Königsweg der Inka zu laufen, am Äquator zu stehen oder um dem Chimborazo herum zu laufen – nein der Gipfel zählt nur deshalb bin ich hier.

In der jetzigen Situation bin ich mental wie körperlich leer und will nur nach Hause… fort von dieser Niederlage gegen Berg und Natur. Es wird einige Zeit brauchen um diese Niederlage zu verkraften.

Wie Alexander Huber schon sagte:“ Es ist eine Niederlage, vom Berg zurückzukommen, ohne den Gipfel erreicht zu haben. Das aber ist die Chance zurückzukehren“.

mySUMMIT: Liveticker per SMS aus Ecuador / Chimborazo

+++ 08.02.2011:
Die Nacht wieder im Basecamp verbracht. Auf 3900 Meter hat es die ganze Nacht geregnet. Oben auf dem Chimbo bis 50 cm Neuschnee! Besteigung unmöglich. Morgen geht es zurück nach Quito.

+++ 07.02.2011:
Expedition abgebrochen, zuviel Schneefall, Lawinengefahr, kein Gipfel, am Morgen Abstieg ins Basecamp.

+++ 06.02.2011:
Ankunft ABC Ortszeit 14:38 Uhr. Richten gerade die Zelte ein, liege in meinem Schlafsack – die letzten 3 Std. schneit es und es hört nicht auf 😦 das kann den Gipfel unmöglich machen! Jetzt sitzen wir im Zelt auf 5.100 Meter und warten …

+++ 05.02.2011:
Endlich Ruhetag, die letzten Tage waren hart, mir geht es soweit gut, müde, leichte Verbrennungen im Gesicht, die mit Cortison behandelt werden, nix schlimmes, bin bestens akklimatisiert, Sonntag Aufstieg ins vorgeschobene Basislager auf 5.100 Meter. Sonntag gegen Mitternacht Gipfelsturm! Grüße an alle! Volker Reinsch vom mySUMMIT Team

+++ 05.02.2011:
Heute Ruhetag, Ausflug nach Riobamba, Sonntag Aufstieg ins ABC auf 5.100 Meter. Sonntag gegen Mitternacht Gipfelsturm! Mir geht es super, müde aber bestens akklimatisiert. Liebe Grüße an alle Leser!

+++ 04.02.2011:
Freitag geht es wieder über 5.000 Meter hoch, der dritte Tag in Folge! Bräuchte eigentlich einen Ruhetag! Das geht an die Substanz.

+++ 03.02.2011:
5.300 Meter, Sauerstoffsättigung 90 pro. Mir geht es prima, kein Kopfweh.

+++ 03.02.2011:
Basecamp 3.900 Meter, heute auf 4.720 Meter, morgen auf 5.500 Meter. Bisher kein Kopfweh, mir geht es gut 🙂

mySUMMIT: Auf zum Chimborazo

Heute ist es Zeit goodbye zu sagen, die nächsten 8 Tage werde ich keinen Internetzugang haben. Die Wetterbedingungen für die Besteigung sind nicht schlecht, jedoch liegt die Quote für das erreichen des Gipfels bei nur 30%!

Keine guten Vorraussetzungen um auch am 8 oder 9 Februar sagen zu können: „mySUMMIT“

6310 Meter – eine unglaubliche Höhe, es soll der höchste Punkt in meinem Leben werden, den ich zu Fuß und aus eigener Kraft erreicht habe. Temperaturen erwarten wir so um -20 Grad, der Aufstieg wir ca. 10 Stunden dauern bei einer Steigung von bis zu 50% und einem Sauerstoffgehalt in der Luft von 40%!! Der Abstieg dauert nochmal 10 Stunden – insg. 14 Stunden Quälerei 🙂

Kein Spaziergang – für mich bisher die größte persönliche Herausforderung in meinem Leben. Drückt mir die Daumen, es kann so viel schief gehen bei einer Expedition, jeder Schritt, jeder Detail muss genau überlegt sein…

Wir hören uns in 9 Tagen wieder, egal ob mit oder ohne Gipfel – die Gesundheit ist das wichtigste im Leben…

Euer
Volker Reinsch vom mySUMMIT

mySUMMIT: Cotopaxi

Nach gut 2 Stunden Busfahrt hätten wir den Cotopaxi sehen sollen. Leider lag der Cotopaxi in Wolken gehüllt, so das wir den Schneebedeckten Kegel des 5897 Meter hohen Vulkans nicht sehen konnten. Der Cotopaxi ist der höchste aktive Vulkan auf der Welt.


Zum Mittagessen besuchen wir eine 300 Jahre alte Hazienda. „La Cienega“ ist eine der ältesten und vornehmsten Hazienda der ecuadorischen Kolonialzeit. Am Fuße des Cotopaxi in der Nähe des gleichnamigen Nationalparks war die Hazienda Schauplatz wichtiger Ereignisse der wissenschaftlichen und sozialen Geschichte Ecuadors. Auch Alexander von Humboldt führte Studien über den Vulkan Cotopaxi durch und wohnte zu dieser Zeit in der Hazienda. auf dem 6.000m2 grossen Herrensitz wohnten Marktgrafen und Wissenschaftler.


Der Eingang auf den Herrensitz ist sehr beeindruckend. der Weg zum Eingangstor führt gesäumt von 50 Meter hohen Eukaliptusbäumen zum Herrenhaus. Ehrfürchtig spazierten wir zum gut Restaurierten Herrenhaus. Vor dem Eingang ein grosser Springbrunnen, gespickt mit den schönsten Pflanzen Ecuadors. Der historische Bau besteht aus 2Meter dicken Wänden aus Vulkangestein. Im Rustikal eingerichteten Kaminzimmer, nahmen die „Herrschaften Chimborazobezwinger“ Ihr Mittagsmal ein. Eine Hühnersuppe, Kartoffeln mit Rinderlende und Salt und als Nachtisch eine leckere Obstkreation der Küche.

Nach so einem Festmal durfte der Besuch des großen Lustgartens nicht fehlen. Eine exotische Pflanzenwelt um den großen Brunnen erwartete uns bei herrlichem Sonnenschein. Der Geist des Vergangenheit erweckte zum Leben, ich hatte das Gefühl die Damen mit Ihren hübschen Kleidern, in der linken Hand den Sonnenschirm spazierend zu sehen. Kinder spielen im Garten fangen und die Herren des Hauses saßen zurückgezogen im Raucherfüllte mit einer Zigarre und diskutierten über Politik. Dieser Ort ist stiller Zeuge der Geschehnisse in Ecuador und bieten uns den poetischen Flair einer vergangenen Zeit.

Bei den Gedanken lief mir Gänsehaut über den Rücken. Die Hazienda „La Cienega“ ist ein absolutes muss einer Ecuadorreise.
Www.hosterialacienega.COM

mySUMMIT: am Äquator…

Nach 10 Std Schlaf, den wir wirklich brauchten, gab es erstmal ein leckeres Frühstück im Hotel. Pfannkuchen, Toast, gebratener Speck, frisches Obst alles was das Herz begehrt. Die Sonnenstrahlen brachten das erste mal das Gefühl im Urlaub zu sein. Endlich ist es da – nach den Reisestrapazen fühle ich, das ich angekommen bin.

Gegen 9 Uhr wurden wir von Fernando abgeholt um uns Quito etwas genauer vorzustellen. Seine Heimat präsentierte er voller Stolz, mit viel historischem Hintergrundwissen führte er uns durch die Altstadt von Quito.

Unsere Tour begann aber erst am Äquator. Der Äquator der Erde (theoretischer Durchmesser 12.756,26817 km), durchquert Afrika, die Malediven und den Indischen Ozean, Indonesien, das zentralpazifische Mikronesien sowie Südamerika. Er trennt dabei die Nord- von der Südhalbkugel. Der Mittelpunkt des Äquatorkreises fällt mit dem der Kugel zusammen. Wir haben verschiedene Projekte/Versuche am Äquator durchgeführt ZB das Coriolis Experiment. Und tatsächlich, der Wasserstrudel auf der Südhalbkugel bewegt sich mit dem Uhrzeigersinn – auf der Nordhalbkugel gegen den Uhrzeigersinn.

Auf dem Äquator zu stehen ist ein tolles Gefühl, leider hatte ich meinen Reisepass nicht dabei – sonst hätte es einen Stempel der 0 Koordinaten gegeben.